Donnerstag, 24. Januar 2008

Die Einsamkeit ist in manchen Augenblicken so stark, dass sie mir die Luft nimmt. Schnappatmung, fischig irgendwie. Mein Herz schmerzt fürchterlich, aber der Arzt sagt, dass da nichts ist, alles ganz normal, es schlägt noch. Und ich schaffe es nicht, die Tasten des Telefons zu drücken, um mich wenigstens einer vertrauten Stimme nahe zu fühlen.

Die Zeit heilt alle Wunden.
Ich warte seit so vielen Jahren darauf, aber der Schmerz ist geschickt und wendig, taucht auf und verschwindet, um dann wieder mit großem Getöse hervorzuschießen und mir eine lange Nase zu zeigen.

Sehnsucht. Nach Liebe? Nach Fingerspitzen, die über meinen Arm streichen und warmem Atem in der Halsbeuge, nach Nähe, Vertrauen, Geborgenheit. In der Apotheke gibt es nichts dagegen. Pillen, Tropfen, Salbe, was würde ich drum geben.


 

Mittwoch, 23. Januar 2008



Auf nix kann man sich verlassen. Die Boxhagener Straße wurde jetzt auch umbenannt. Dabei bin ich in einem Alter, in dem man Veränderungen nicht mehr so einfach wegstecken kann.


 

Dienstag, 22. Januar 2008

Am Ende des Gespräches gebe ich der Frau aus L. die Hand und verabschiede mich. In 13 Tagen sehen wir uns wieder, denn es braucht Zeit um nachzuspüren und offenen Fragen nachzugehen, sagt sie. "Hilfe!", will ich schreien, "retten Sie mich!". Aber wie immer bin ich nüchtern und beherrscht, und wirke, als wäre ich ganz einfach gestrickt, würde mich selbst bestens verstehen und bräuchte nur mal jemand um mich "auszuquatschen". Ein paar Tränen, ein bisschen Vergangenheitsbewältigung und dann geht's weiter.

Könnte ich den Kopf ausschalten, würde ich kotzen, heulen, schreien und toben, Möbel kaputtmachen und Scheiben einschmeißen, trampeln, treten, um mich schlagen und alles verwüsten. Damit endlich mal jemand versteht. Oder damit ich verstehe.

Stattdessen leiden ich lieber still und leise vor mich hin.
Quälen konnte ich mich schon immer am besten allein.


 

Montag, 21. Januar 2008

Seit mich ein Blogger vor ein paar Tagen wohl eher unbeabsichtigt mit der Nase in die dreckige Schlammpfütze gestupst hat, mag ich meinen Kopf nicht mehr ganz so tief hängen lassen. Draußen ist die Welt grau und es regnet nun schon den dritten Tag in Folge. Ist mir aber egal, ich setze einfach meine Spaßbrille und die Hasennase auf und wippe mit dem Kopf. Dann geht das schon.


 

Sonntag, 20. Januar 2008

H. ist ein toller Kerl.

Das Beste an H. ist, dass er eine Freundin hat und unverschämt verliebt ist. Er kann mir also nicht zu nahe kommen. Ein Gefühls-Experiment mit Sicherheitsnetz.

Ich schwärme für ihn in aller Gelassenheit und es ist mir nicht einmal peinlich ihm das auch deutlich zu machen. H. scheint es zu gefallen und zu schmeicheln. In unseren Telefongesprächen, in Mails, per ICQ und SMS können wir darüber sinnieren, warum wir damals kein Paar geworden sind, obwohl wir uns gegenseitig so begehrten. Die ganze Situation noch ein ums andere mal aufdröseln, mein damaliger Freund, unsere Dreiergeschichte, seiner Entscheidungsunwilligkeit, meiner Schwäche. Immer wieder und wieder und immer mit einem Haufen Komplimente versehen, die ein warmes Gefühl hinterlassen.

Er ist erwachsen geworden und das ist so sexy.

"Wenn ich keine Freundin hätte, würde ich uns eine Chance geben", sagt er leise und ich muss lachen. Er meint es ernst, was mich rührt, aber er kann die Absurdität der Vorstellung natürlich nicht erkennen.