Sonntag, 22. März 2009

Der Kontaktabbruch 2006/2007 hat dazu geführt, dass meine Mutter und ich sehr vorsichtig miteinander umgehen. Es lief immer auf die gleiche Weise ab: Sie war abwertend, ich nachtragend und jedes Schweigen dauerte viele Wochen lang.

Heute bemüht sie sich, mich freundlich zu behandeln. Heute bemühe ich mich, nachsichtig zu sein und nicht jedes Wort auf die Goldwaage zu legen.

Aber nun ist es wieder soweit. Die Situation meiner Arbeitslosigkeit ist für meine Mutter unerträglich. Das alte Muster wird hervorgekramt: Sie macht sich Sorgen, leidet unter schrecklichen Existenzängsten, beginnt zu Wehklagen, die sich zu Vorwürfen steigern, mischt sich ein, bewertet, verurteilt. Und kann keine meiner Bitten, das Thema zu wechseln oder gleich ganz auszuklammern, nachkommen. Als Quittung explodiere ich innerlich und gehe an die Decke, kann mich kaum zurückhalten vor Ärger und Wut. Das Gefühl, ein unmündiges und dummes Kind zu sein, das alles falsch macht, das keine Ahnung vom Leben hat, ist altbekannt. Es ist genau wie früher.

Ich will ruhig sein. Will ihr sagen, dass sie sich nicht einmischen soll. Will sie bitten, ihre vielen Sorgen und Ängste mit ihren Freunden zu besprechen, damit wir weiterhin friedlichen Kontakt haben können. Stattdessen grolle ich vor mich hin und habe einen Haufen Wut im Bauch. Das Telefon klingelt, bis der Anrufbeantworter ihre Nachricht entgegen nimmt, die Mails sammeln sich ungelesen und unbeantwortet Posteingang, während ich versuche meinen übermäßigen Zorn unter Kontrolle zu bringen.

Immer dasselbe.

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Wenig auf der Welt ist so provozierend wie ein solches elterliches "Engagement". Auch und sogar bei Vater/Mutter/Kind-Verhältnissen, die an sich in Ordnung sind. Wenn es zum Beispiel um Erziehungsfragen der Kinder geht. Wenn es zum Beispiel um die Organisation des täglichen Familien/Berufslebens geht.

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Engagement! *doppelgroll*

Es ist ja an sich nicht einmal was gegen Engagement zu sagen, aber ein Problem gibt es dann, wenn die gutgemeinten Ratschläge keine wohlmeinenden Tipps sind, sondern wenn erwartet wird, dass sie auch umgesetzt werden. Ansonsten gibt es beleidigtes Schweigen oder wahlweise Vorwürfe als Quittung.

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Ja. Eben.

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Mit diesen ewiggleichen Interaktionsmustern
mit meiner Mutter habe ich auch an meinem 40.Geburtstag noch rumgehadert, als ihr Anruf mit kaum unterdrücktem Vorwurf, dass ich sie zu keiner Feier eingeladen hatte (hey, welche Feier, ich hatte nie vor zu feiern) mir gleich morgens den Tag versaute und ich dachte, boah, das gibts doch nicht, muss diese Scheiße so weitergehen, bis einer von uns diesen Planeten verlässt?

Es hat sich aber stark gebessert, weniger durch mein oder ihr Zutun. Allein schon, dass da jetzt die Kleine ist, und meine Frau in diplomatischen Dienst der innerfamiliären Angelegenheiten einen Superjob macht, das ist es (im Zusammenspiel mit der von 7 auf 300 km vergrößerten räumlichen Distanz), was die Karten neu gemischt hat.

Was nicht heißt, dass die alten Muster komplett getilgt wären - aber wir verstricken uns nicht mehr so darin. Und das ist schon ein verdammt großer Fortschritt, auf den ich lange Zeit nicht mal mehr zu hoffen wagte.

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Männer, Frauen, Kinder, Diplomaten und Co. können sich gerne bei mir melden und diesen Job in meiner Familie verrichten. Da gibt's ja so einige Baustellen... ;-)

Herrje, ich dachte halt, dass es jetzt gut ist. Dass wir die Sache hinkriegen. Aber die Krisensituation Arbeitslosigkeit ist für meine Mutter ein unerträglicher Zustand. Meine Gelassenheit scheint sie eher noch zu animieren.

Die räumliche Distanz... Darüber denke ich ja immer wieder mal nach. Aber ich mag doch hier nicht weg. Jedenfalls nicht wegen meiner Mutter.

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das ähnelt meiner ma+mir sehr, besser - unserem alten verhältnis.
ich hab es nur geschafft gelassen zu werden, indem ich lange zeit künstliche distanz zwischen uns gelegt hatte, bis diese eine natürliche wurde.
jetzt, tut mir (fast) nichts mehr weh oder trifft mich schutzlos....
(hat aber irre lang gedauert)

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ich habe seit jahren gar keinen kontakt mehr - und das ist für beide seiten gut so. ich musste ja nicht nur das verhalten meiner mutter aushalten, sie war ja leider auch "gezwungen", ihre verhaltensweisen auszuleben. als ich irgendwann immun dagegen war, hat es ihr verhalten aber natürlich nicht geändert, die geschütze, die sie auffuhr, wurden nur stärker. hat mir zwar nich mehr so viel ausgemacht, aber sie konnt halt nich aus ihrer gewohnten bahn raus. das hat mich total nervös gemacht, weil es sich gesundheitlich bei ihr niederschlug. damit konnte niemand glücklich werden. schade - ich find die glücklichen lauten zusammenhaltenden großfamilien nämlich toll, aber "blut ist dicker als wasser" reicht eben manchmal nicht aus.
(nicht, dass es immer leicht wäre. nicht, dass ich meine mutter als mensch nicht geschätzt hätte. aber in unserem fall ist es so besser, für beide seiten)

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@renaissancerie
Ich dachte, die Distanz wäre schon da. Und auch mehr gesunde Gleichgültigkeit meinerseits. Pustekuchen.

Diese Rückschläge sind so anstrengend. Wie weitermachen, wenn man keine Puste mehr hat?

@aquarelia
Ich will ja keinen Kontaktabbruch, auch weil ich weiß, wie sehr meine Mutter darunter leidet. Aber meine Leidenswilligkeit ist ziemlich begrenzt und ich finde keinen guten Weg, um die Beziehung einfach und einigermaßen stabil zu halten. Stattdessen kostet mich das alles viele Nerven und viel Geduld. Und leider drängt sich immer wieder der Gedanke in den Vordergrund, warum ich mir das eigentlich antue. Die Frage, was ich davon habe (außer einem guten Gewissen...)

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ach, auweh.... meine zeit, auch gefüllt mit rückschlag an rückschlag, dauerte so an die 18 jahre..... die frau die einen geboren hat, die kann ich mir nicht mal eben schnell auf distanz halten. egal was sie mit mir tat/tut, kinder lieben ihre eltern; und seien diese monster. sie lieben sie absolut, wie nur kinder das können - überlebensnotwendig. und, meiner meinung nach, steckt das in jeder eltern-kindbeziehung, bis irgendwann die eltern sterben. erst dann....ist man z.b. endgültig erwachsen. frei??
(bei diesem thema hat mein hirn sofort lust darauf, sich von mir urlaub zu nehmen. es gibt keine einfachheit dabei.)

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Puh, das ist eine verdammt lange Zeit.

Aber nein, ich glaube nicht, dass der Tod der Eltern dazu führt, dass man sich frei(er) fühlt. Das ist ein Zustand, den man wohl auf andere Art und Weise erreichen muss und ich tippe ganz stark auf Auseinandersetzung... :(

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schade
ehrlich gesagt kann ich das immer nicht so ganz nachvollziehen....Ich meine,ich freue mich das es sie gibt und das sie noch da ist.
Ich frage mich immer,wie Leute damit umgehen wenn sie nach so einer Kontaktpseere erfahren,das die Eltern,ein elternteil gestorben ist...und sie sich nie ausgesprochen haben.
einmal habe ich im Streit allerdings erwähnt,das es ja auch so wie bei h und I sein könnte(die ha ben so einen kontaktabbruch) und meine Ma meite dann mit sowas solle man nicht drohen.Kann ich mir vorstellen das es ihr nicht zusagt,aber sich ewig unwohl fühlen und kämpfen und mit sich kämpfen,krampfartig ist ja irgendwie auch keine Lösung.
Ich würde sagen,die Lösung alles Mal zu erklärenwie das bei Dir ankommt,ist eine tolle Idee.
reden hilft und oft war den eltern das nicht bewusst.
Ich hoffe,meine Tochter wird mich nie'die Frau die mich geboren hat nennen(wenn ich es auch bin) hört sich so nach die Frau von nebenan oder Leihmutter an.
Die mütter haben uns nicht nur geboren sondern vor allem aufgezogen,behütet,geschützt,geliebt,geliebkost ect......und wenn nicht,dann ist eine Kontaktspeere wohl verstanändlich.

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Ich bin mir ganz sicher, dass diese Frage so ziemlich die überflüssigste ist, die man sich vorstellen kann aber: ham Sie Ihrer Mutter das mal ganz ruhig geschildert, wie ihr Verhalten bei Ihnen ankommt, ohne sofort darauf zu reagieren?

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Das habe ich tatsächlich schon lange nicht mehr gemacht. (Ich bin in der Hinsicht auch sehr konfliktscheu, scheint mir. Flucht ist doch immer der einfachere Weg.)

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als ich letztes jahr nach hh zog und meinen ersten null-euro-job anfing, war es bei mir ähnlich. schmollen, vorwürfe und dieses künstliche mir-doch-egal-verreck-doch-getue mit wer-ruft-länger-nicht-an.
es geht eltern nicht darum, was man tut oder nicht tut oder ob man dabei glücklich ist. die hauptsache ist die frage, ob du mit wasauchimmer soviel geld verdienst, damit du ihnen nicht auf der tasche liegst.
seitdem ich mein volo und mein halbwegs-auskommen habe, schenken mir mir die meinen z.b. plötzlich wieder was. völlig schizophren.

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